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Dienstag, 22. September 2026
Top 3 News des Tages:
150 GW mehr Solar passen ins Netz – Speicher an Umspannwerken machen es möglich…
Bis zu 165 Euro Prosumeraufschlag – BSW warnt vor neuer Investitionsbremse…
Droht ein "Reiche-Knick"? – Warum Händler das beste Jahr seit Langem haben und trotzdem Angst…
🌅 06:52 | 🌇 19:04 Wetter Berlin:
Freundlich, bis 18,4 °C, nur 5 % Regenrisiko – gute Ertragswerte, morgen wird es noch besser.

🌞 Top Story des Tages

🔌 150 Gigawatt mehr Solar passen ins bestehende Netz
Das deutsche Stromnetz kann viel mehr Solarstrom aufnehmen als gedacht. Das zeigt eine neue Studie des Fraunhofer IEE im Auftrag des BSW-Solar.
Der Trick sind Batteriespeicher an Umspannwerken. Denn ein Transformator ist nur zu wenigen Stunden im Jahr wirklich voll ausgelastet. Ein clever gesteuerter Speicher nimmt genau diese Spitzen auf und gibt den Strom später wieder ab.
An 1.313 ländlichen Umspannwerken ließen sich so rund 150 Gigawatt zusätzliche Solarleistung anschließen. Das ist mehr, als in Deutschland bisher insgesamt installiert ist (rund 130 GW).
Und der Verlust bleibt klein: Im Schnitt müsste nur etwa ein Prozent des zusätzlichen Solarstroms abgeregelt werden. Entscheidend ist dabei nicht die reine Speichergröße, sondern die Steuerung. Der Speicher muss genau dann laden, wenn der Transformator an seine Grenze kommt.
Der BSW fordert deshalb: Netzengpassgebiete sollen erst ausgewiesen werden dürfen, wenn Netzbetreiber ihre Netze digitalisiert und Speicher an Engstellen ausgeschrieben haben.
👉 Sunny-Take: Der Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket würde große Teile Deutschlands faktisch für neue Solarparks sperren. Diese Studie liefert das beste Gegenargument – und sie kommt genau zur ersten Lesung.

🏢Firmennews & Strategie
🌱 Next2Sun senkt Einstieg auf 600 Euro – Frist läuft
Der Anbieter vertikaler Agri-PV-Anlagen sammelt gerade Kapital ein. Weil die Nachfrage neuer Investoren verhalten ist, senkt das Unternehmen die Mindestbeteiligung von 3.000 auf 600 Euro. Bei zwölf Euro je Aktie reichen also 50 Aktien.
Zum Schutz der Anleger gilt: Wird das nötige Finanzierungsvolumen nicht erreicht, kommt die Beteiligung nicht zustande und das Geld fließt zurück. Zeichnen kann man noch bis zum 25. September.
👉 Sunny-Take: Dass ein Unternehmen mit voller Projektpipeline die Einstiegshürde senken muss, sagt viel über die Finanzierungslage in der Branche. (Keine Anlageempfehlung.)

📈Markt & Trends
📉 Modulpreise sinken – und pvXchange warnt vor dem "Reiche-Knick"
Im August sind die Modulpreise moderat gefallen. Gleichzeitig läuft das Geschäft gut: Viele Handwerksbetriebe haben volle Auftragsbücher bis Jahresende.
Der Grund ist aber kein gesundes Wachstum. Alle wollen ihre Projekte noch 2026 mit den heutigen EEG-Bedingungen fertigstellen. pvXchange-Chef Martin Schachinger nennt das eine ungesunde Marktverzerrung.
Sein Vergleich geht weiter zurück: 2012 bis 2014 gab jede zweite deutsche Solarfirma auf, nachdem der damalige Wirtschaftsminister Peter Altmaier die Förderung zusammengestrichen hatte. Man nannte es den "Altmaier-Knick". Schachinger fragt: Kommt jetzt der "Reiche-Knick"?
Sein Punkt: Banken werden bei Finanzierungen vorsichtiger, weil das EEG als Absicherung wegfällt. Ändert sich an den Entwürfen nichts, seien die aktuellen Insolvenzen erst der Anfang.
👉 Sunny-Take: Wenn das gute Jahr 2026 vor allem aus vorgezogenen Projekten besteht, fehlen die 2027 im Auftragsbuch. Plane dein nächstes Jahr lieber vorsichtig.
🏦 BayWa: Gläubiger stimmen neuem Rettungskonzept zu
Die Gläubiger haben dem überarbeiteten Sanierungskonzept zugestimmt. Nötig wurde die Überarbeitung, weil es bei der Ökostromtochter BayWa r.e. schlechter lief als geplant. Deren Verkauf sollte ursprünglich 1,7 Milliarden Euro zur Entschuldung beitragen.
👉 Sunny-Take: BayWa r.e. bleibt einer der größten Player im deutschen Projektgeschäft. Wer dort einkauft oder liefert, sollte die Verkaufsverhandlungen weiter im Auge behalten.
🥈 Silber: Solarbranche braucht immer weniger davon
Der Silberpreis findet nach starken Ausschlägen langsam einen Boden. Ein Grund für die schwächere Nachfrage: Die Photovoltaikindustrie setzt immer weniger Silber pro Zelle ein. Das Silver Institute und Metals Focus hatten schon im Frühjahr auf diesen Spareffekt hingewiesen.
👉 Sunny-Take: Weniger Silber pro Zelle heißt weniger Rohstoffrisiko im Modulpreis. Ein Kostentreiber, über den sich Einkäufer künftig weniger Sorgen machen müssen.

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⚖️Gesetze & 📈Regulierung
💸 Prosumeraufschlag: Bis zu 165 Euro im Jahr extra
Die Bundesnetzagentur plant, Haushalte mit eigener Solaranlage stärker an den Netzkosten zu beteiligen. Der geplante Aufschlag auf den Grundpreis könnte laut BSW bis zu 165 Euro pro Jahr betragen. Kleine Anlagen träfe das besonders hart, weil der Betrag pauschal gilt.
Kritisch wird es auch bei Mehrfamilienhäusern: Würde der Aufschlag pro Wohnung berechnet, verliert das neue Modell der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung stark an Attraktivität.
Der BSW schlägt stattdessen ein Einspeisekapazitätsentgelt vor. Dabei zahlt man nicht für die installierte Leistung, sondern für die Einspeisekapazität, die man mit dem Netzbetreiber vereinbart hat. Wer weniger Netz beansprucht, zahlt weniger.
👉 Sunny-Take: 165 Euro im Jahr verlängern die Amortisation jeder kleinen Anlage spürbar. Rechne das in Kundengesprächen ab sofort mit – sonst steht es später in der Zeitung und nicht in deinem Angebot.

🛠️Produkte, Startups & Technik
🔢 Mieterstrom: Der alte Zähler schlägt den virtuellen
Für Mieterstrom gibt es drei Modelle. Und ausgerechnet das älteste funktioniert am besten. Das berichtet Leonard John vom EnBW-Startup Dach für Dach aus der Praxis: In über 90 Prozent der Fälle setzt sein Team auf den klassischen physischen Summenzähler.
Der Grund ist nicht die Technik, sondern die Prozesse. Der physische Zähler läuft nach dem Einbau sofort – der Stromverkauf an die Mieter startet direkt. Die Wandlermessung kostet zwar 3.000 bis 7.000 Euro extra. Aber schon sechs Monate Wartezeit beim virtuellen Zähler kosten bei einem 30-kWp-Projekt mehr als 3.000 Euro an entgangenen Einnahmen.
Der virtuelle Summenzähler braucht dagegen zwingend ein intelligentes Messsystem. Dazu kommen manuelle Klärfälle bei Netzbetreibern und Lieferanten. Aktuell können laut John nur drei Lieferanten am Markt die Abwicklung sauber abbilden.
Die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung ist wirtschaftlich das schwächste Modell – und der geplante Prosumeraufschlag pro Wohnung könnte ihr den Rest geben.
👉 Sunny-Take: Wer Mieterstrom anbietet, verkauft mit dem physischen Zähler die schnellere Inbetriebnahme. Das ist im Moment mehr wert als die modernere Lösung.
🪜 Modul auf die Leiter: Fluke bringt Hebesystem
Die Arbeitsschutzregeln sind eindeutig: Beim Leitersteigen müssen drei Kontaktpunkte gehalten werden, Lasten dürfen höchstens zehn Kilogramm wiegen. Über fünf Meter Höhe ist die Leiter als Transportweg für Material ganz ausgeschlossen.
Fluke bietet dafür jetzt den Module Lift an. Er arbeitet mit einer vorhandenen Ausziehleiter und braucht weder Motor noch Strom. Ein Haken greift den Modulrahmen, eine Bremse verhindert das Abrutschen. Aufbau laut Hersteller: unter fünf Minuten, durch eine Person.
👉 Sunny-Take: Modultragen über die Leiter ist verboten und trotzdem Alltag. Solche Hilfsmittel lösen ein echtes Haftungsproblem – und schonen nebenbei die Rücken im Team.
🚁 Drohnen finden Fehler – die Diagnose bleibt am Boden
Wärmebilddrohnen sind bei großen Solarparks längst Standard. Sie zeigen aber nur das Symptom, nicht die Ursache. Ein Hotspot kann ein geschmolzener Stecker sein, eine durchgebrannte Sicherung, ein Marderschaden – oder harmlose Erwärmung.
Neu ist die Software dahinter. Sie sortiert die Funde nach wirtschaftlicher Relevanz und rechnet den möglichen Ertragsausfall aus. Das Team fährt dann mit einer Prioritätenliste raus statt auf Verdacht. Der nächste Schritt sind "Drone-in-a-Box"-Systeme: Die Drohne bleibt in einer wetterfesten Station am Standort und startet automatisch.
👉 Sunny-Take: Die Drohne ersetzt keine Messung vor Ort, sie sagt nur genauer, wohin. Für O&M-Betriebe ist die Auswertesoftware inzwischen wichtiger als die Drohne selbst.
⛵ Bayern: Schwimmende Solaranlage steht senkrecht im Wasser
Auf einem Baggersee südwestlich von München stehen 2.600 Module hochkant auf dem Wasser – 1,87 Megawatt, Ost-West-Ausrichtung. Von Land sehen sie aus wie eine Flotte kleiner Segel.
Der Sinn: Senkrechte Module liefern morgens und abends Strom, wenn die Börsenpreise hoch sind. Mittags, wenn alle einspeisen und die Preise fallen, produzieren sie kaum. Die Jahresmenge ist niedriger, der Erlös je Kilowattstunde höher.
Der Strom geht direkt ins Kieswerk nebenan. In den ersten drei Wochen kamen über 100 Megawattstunden zusammen, der Netzbezug sank um rund 70 Prozent. Offen bleiben Wind- und Eislasten über zwanzig Winter – dafür gibt es noch keine Erfahrungswerte.
👉 Sunny-Take: Schon wieder vertikal: Nach Next2Sun und den Marktwertzahlen von Anfang September zeigt auch dieses Projekt, dass das Erzeugungsprofil wichtiger wird als die reine Jahresmenge.
🍇 RWE: Himbeeren unter Solarmodulen am Tagebaurand
Auf rund sieben Hektar bei Bedburg testet RWE drei Agri-PV-Bauweisen mit 6.100 Modulen und 3,2 Megawatt: senkrechte Reihen, nachgeführte Module und eine Pergola-Konstruktion mit Himbeeren darunter.
Erste Ergebnisse: Die Ernten entsprachen dem normalen Ackerbau. Das Getreide hatte sogar mehr Protein, die Himbeeren waren besser vor Unwettern geschützt. Die Module ließen Regenwasser durch und senkten durch Schatten die Verdunstung im Boden.
👉 Sunny-Take: Gleicher Ertrag plus Stromerlös ist genau das Argument, das Landwirte hören wollen. Nur reicht der geplante Agri-PV-Bonus von 0,5 Cent dafür nicht.

✍️Umfrage der Woche
Was würdest du deinen Kunden raten, die 2027 bauen wollen?


💡 Mein Wow Moment des Tages

🌳 Zwei alte Eichen gegen eine Solaranlage – jetzt streiten Anwälte
Es gibt Nachbarschaftsstreits um Laub im Pool oder Äste über dem Zaun. Und es gibt diesen hier.
Neben einem Restaurant stehen zwei alte Eichen. Auf dem Nachbardach liegt eine Photovoltaikanlage. Die Bäume sind über die Jahre gewachsen – und werfen inzwischen Schatten auf die Module.
Der Nachbar sieht darin mehr als eine Unannehmlichkeit. In einem achtseitigen Anwaltsschreiben lässt er vortragen, die Verschattung beeinträchtige den wirtschaftlichen Betrieb der Anlage. Außerdem stehe einer der Bäume zu nah an der Grundstücksgrenze. Gefordert wird ein weiterer Rückschnitt oder gleich die Fällung.
Dazu kommt Schadensersatz für den entgangenen Solarertrag. Die Summe inklusive Anwaltskosten: 1.265,21 Euro. Auf den Cent genau.
Kurios ist das. Aber dahinter steckt eine Frage, die uns häufiger begegnen wird. Je mehr Dächer Strom produzieren, desto öfter wird Schatten zum Streitwert. Für jeden, der Anlagen plant, heißt das ganz praktisch: Verschattung durch Nachbarbäume gehört ins Protokoll – vor der Montage, nicht danach.

