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Dienstag, den 01. September 2026

🌅 06:17 | 🌇 19:54 Wetter Berlin:

Meteorologischer Herbstanfang mit freundlichen 23 °C, nur 15 % Regenrisiko – solide Ertragswerte zum Monatsstart.

🌞 Top Story des Tages

✂️ 50-Prozent-Kappung: Jetzt stellt sich sogar die Autoindustrie quer

Die EEG-Novelle will die Einspeiseleistung neuer kleiner und mittlerer PV-Anlagen dauerhaft und pauschal auf 50 % kappen – am gesamten Hausanschluss, also inklusive Speicher und bidirektionalem E-Auto-Laden, und unabhängig davon, ob ein Smart Meter verbaut ist. Die Ablehnung reicht laut pv magazine inzwischen weit über die Solarbranche hinaus: Neben BSW und BDEW positionieren sich der Verband der Automobilindustrie sowie Netzbetreiber wie Netze BW und Eon dagegen. Kernkritik: Wer in intelligente Steuerung investiert, wird trotzdem pauschal abgeregelt – das untergräbt Direktvermarktung und Sektorkopplung. Erste Lesung im Bundestag: 23. September.

👉 Sunny-Take: Wenn V2G-Erlöse pauschal gekappt werden, stirbt das beste neue Verkaufsargument der Branche vor dem Marktstart – die drei Wochen bis zur ersten Lesung sind die Zeit, in der Verbandsarbeit und Kundenbriefe noch etwas bewegen.

by Tom Illauer

🏢Firmennews & Strategie

🌾 BayWa: Sanierung steht, r.e.-Verkauf läuft, Baumärkte schließen

Die Baumarkt-Insolvenz (340 Jobs, Schließung der fränkischen Filialen bis November) trifft nur den Namen – die Kette gehört seit 2012 nicht mehr zum Konzern. Der eigentliche Umbau: bis zu 700 Mio. € Finanzverbindlichkeiten werden in ein Nachranginstrument gewandelt, Sanierungsfahrplan bis 2030, und die 51 % an BayWa r.e. sollen an einen noch unbenannten "Transformations-Gesellschafter" gehen.

👉 Sunny-Take: Wer BayWa r.e. übernimmt, kontrolliert einen der größten europäischen Projektentwickler samt PV-Großhandel – für Lieferanten und Installateure die wichtigste offene Personalie des Herbstes.

🔌 SMA Solar zurück in der Gewinnzone

Q2: 2,14 € Gewinn je Aktie nach -1,38 € im Vorjahr, bei leicht rückläufigem Umsatz von 345,7 Mio. € (-3,2 %). Die Aktie notiert um 56,60 €, das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 75,33 €; erstmals seit Jahren wird wieder eine Dividende (0,158 € geschätzt) erwartet. Die Hoffnungen ruhen auf dem zweiten Halbjahr.

👉 Sunny-Take: Der Turnaround des letzten großen deutschen Wechselrichter-Herstellers ist auch beschaffungsstrategisch relevant – wer eine europäische Alternative im Portfolio halten will, hat wieder einen stabilen Partner.

🔋 Canadian Solar: Speicher tragen, Module schwächeln

Q2: 3,7 GWh Speicherauslieferungen (+82 % zum Vorquartal, +73 % zum Vorjahr, über der eigenen Prognose), e-STORAGE-Auftragsbestand 3,5 Mrd. $, Speicher-Pipeline 84 GWh. Dagegen: Umsatz 1,2 Mrd. $ (-29 % zum Vorjahr), 77 Mio. $ Nettoverlust, Bruttomarge fällt auf 13,9 %.

👉 Sunny-Take: Der Modulhersteller wird zum Speicherkonzern – das Muster zieht sich durch die Branche und erklärt, warum Speicherkapazität gerade knapper wird als Modulware.

⚖️ Prozess in Dresden: 12 Millionen Euro Schaden durch mutmaßlichen Solar-Betrug

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 65-jährigen Ex-Manager vor, 45 Investoren bundesweit PV-Anlagen zum Festpreis verkauft zu haben, die nie oder nur teilweise installiert wurden – nach hohen Anzahlungen. Der Angeklagte sitzt seit März 2025 in U-Haft und bestreitet einen Betrugsplan; mitangeklagt ist die frühere Geschäftsführerin, die laut Verteidigung "zum Werkzeug" gemacht wurde. Urteil erst 2027 erwartet.

👉 Sunny-Take: Jeder Fall dieser Art vergiftet das Kundenvertrauen der gesamten Branche – seriöse Anzahlungsstaffeln, Fertigstellungsbürgschaften und Transparenz sind gerade das beste Abgrenzungsmerkmal im Vertrieb.

📈Markt & Trends

📉 Modulpreise bleiben unten – und die Hersteller in den roten Zahlen

PVXchange meldet stagnierende bis leicht fallende Preise; Überproduktion drückt vor allem Mainstream-Projektmodule. Achtung Zeitachse: Die ab Dezember greifenden US-Mindestimportpreise und Zusatzzölle auf Polysilizium lösen bereits Vorratskäufe aus – Material fließt ab, partielle Engpässe möglich, Indien plant Ähnliches. Parallel rechnet DNB Asset Management vor: Die Margen großer Hersteller liegen bei etwa minus zehn Prozent, die Modulproduktion bleibt weltweit defizitär.

👉 Sunny-Take: Einkäufer erleben gerade das beste Preisfenster des Jahres – wer Projekte für H1 2027 plant, sollte Kontingente vor dem vierten Quartal sichern, bevor die US-Sogwirkung die Verfügbarkeit dreht.

💶 Industriestrom: 16,7 Cent – günstigster Neuabschluss seit 2016

Die BDEW/VEA-Zahlen (Stand April) zeigen für 2026 durchschnittlich 16,7 ct/kWh bei Industrie-Neuabschlüssen – nach 17,6 ct (2025), 24,5 ct (2023) und 43,3 ct im Krisenjahr 2022. Nominal liegt der Preis damit unter dem Niveau von 2017 (17,1 ct); inflationsbereinigt ist der Rückgang noch deutlicher.

👉 Sunny-Take: Das "Strompreise runter"-Narrativ trifft auf bereits fallende Ist-Preise – wer PPAs und Gewerbe-PV verkauft, sollte über Planbarkeit, Netzentgelt-Risiken und CO₂ argumentieren statt allein über den Arbeitspreis.

🇬🇧 UK: 172.000 Solaranlagen 2026 – und Balkonkraftwerke werden legal

Laut DESNZ kamen allein im Juli fast 28.000 Installationen dazu, der dritthöchste Monatswert überhaupt; über 70 % davon Aufdach, Wachstum in allen Regionen. Parallel werden Plug-in-Panels in Großbritannien legal – Currys, B&Q, Screwfix und Amazon bereiten den Verkauf vor.

👉 Sunny-Take: Der britische Markt legalisiert gerade das, was deutsche Steckersolar-Hersteller seit Jahren in Serie fertigen – wer Exportvertrieb hat, sollte jetzt Listungsgespräche mit den UK-Ketten führen.

🐦 Tauben unterm Modul: Handwerkskammer warnt vor Brandrisiko

PV-Anlagen verursachen nur in rund 0,006 % der Fälle größere Brandschäden – doch Nistmaterial, Kot und Kadaver unter den Modulen erhöhen die Brandlast, warnt die Handwerkskammer Konstanz. Empfehlung: Taubenschutzgitter (ab ca. 7 €/Meter) direkt bei der Montage; die Nachrüstung inklusive Arbeitsbühne kann bis zu 2.500 € kosten.

👉 Sunny-Take: Ein Posten von wenigen hundert Euro bei der Erstmontage gegen 2.500 € Nachrüstärger – Taubenschutz gehört als Standard-Option in jedes Angebot, das ist verkaufter Service statt späterer Reklamation.

🔥 Deal der Woche (Partneranzeige)

Weltrekord zum Anfassen: 300 Balkonkraftwerke an einem Tag – bau mit!

Aus 600 ausgemusterten Solarmodulen entstehen am Samstag, 26.09.2026 (10–18 Uhr) auf dem Schulhof der Weiherhof-Schule in Freiburg 300 neue Steckersolar-Geräte – gebaut von Bürgerinnen und Bürgern, als Weltrekordversuch und Demo für Kreislaufwirtschaft in der Solarbranche. Teilnahme kostenlos (dank Sponsoren wie Hoymiles und Münchner Solarmarkt), fertiges Gerät inklusive, Jugendliche ab 14 ausdrücklich willkommen. Online-Vortreffen für Unentschlossene: 10.09., 19 Uhr.

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⚖️Gesetze & 📈Regulierung

🏘️ Bürgermeister gegen Reiche-Pläne: "Ist unsere Lebensgrundlage"

Gegen EEG-Novelle und Netzanschlusspaket formiert sich kommunaler Widerstand: Sinkende Fördersätze und die regionale Steuerung – Neubau in Netzengpassgebieten nur noch mit finanziellem Risiko des Betreibers – bedrohen Gemeindeeinnahmen. Beispiel Speichersdorf (Bayern): Gewerbesteuer von 750.000 € (2020) auf 1,5 Mio. € (2025) gestiegen, großteils dank Erneuerbaren – während der größte Arbeitgeber schließt. Hintergrund: rund 3 Mrd. € Redispatch-Kosten 2025.

👉 Sunny-Take: Kommunale Beteiligung war bisher das stärkste Akzeptanz-Werkzeug der Branche – Projektentwickler sollten die Bürgermeister jetzt als Verbündete für den Bundestags-September mobilisieren, nicht nur als Flächengeber.

💰 16 Verbände warnen vor KTF-Umschichtung

Ein Bündnis aus 16 Verbänden und Organisationen fordert Bundesregierung und Haushälter auf, 2,7 Mrd. € aus den Einnahmen des europäischen Emissionshandels im Klima- und Transformationsfonds zu belassen statt sie umzuschichten.

👉 Sunny-Take: Aus dem KTF fließen Förderprogramme, mit denen die Branche täglich verkauft – die Haushaltsberatungen im Herbst sind für das Geschäft 2027 wichtiger als manche EEG-Detailfrage.

🛠️Produkte, Startups & Technik

💧 KIT-Ausgründung: Solarpanel macht Wasserstoff ohne Elektrolyseur

Das Projekt Photreon entwickelt ein Photoreaktorpaneel, das Wasserstoff per Photokatalyse direkt aus Sonnenlicht und Wasser erzeugt – PV und Elektrolyseur in einem Prozessschritt. Der 1-m²-Prototyp läuft; Materialkosten laut Joule-Publikation rund 22 $/m². Die entscheidende Frage bleibt offen: der Wirkungsgrad. Ab etwa 5 % gilt die Technologie als wirtschaftlich interessant, konkrete H2-Werte stehen aus.

👉 Sunny-Take: Wenn die 5 % fallen, wird dezentraler Wasserstoff ohne Elektrolyseur-Capex denkbar – Mittelständler mit H2-Bedarf abseits der Netze sollten das Projekt auf der Beobachtungsliste haben.

🧪 Weltpremiere aus Freiburg: Tandemzelle ganz ohne Lösungsmittel

Uni Freiburg (INATECH) und Fraunhofer ISE haben die weltweit erste vollständig lösungsmittelfrei hergestellte Perowskit-Silizium-Tandemsolarzelle entwickelt – per Gasphasenabscheidung (PVD) und industriell skalierbaren Verfahren, publiziert in Joule. Das umgeht Toxizitäts- und Homogenitätsprobleme der bisherigen Fertigung.

👉 Sunny-Take: Lösungsmittelfrei heißt einfacher industrialisierbar – ein realer Baustein dafür, dass die Tandem-Generation auch in europäischen Fabriken gefertigt werden kann statt nur in Fernost.

✍️Umfrage der Woche

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💡 Mein Wow Moment des Tages

🐑 8.000 Schafe fressen sich durch die Energiewende – und der Rancher wird dafür bezahlt

JR Howard war ein texanischer Schafzüchter mit dem ältesten Problem seiner Zunft: Schafe brauchen Gras, Gras braucht Land, und Land wird in Texas immer knapper – über 2,1 Millionen Hektar Weidefläche gingen zuletzt verloren, auch an Solarparks. 2021 drehte Howard die Gleichung um: Die Solarbetreiber sitzen auf tausenden eingezäunten, bewässerten Hektar voller Gras, das sie dringend loswerden müssen – hohes Gras verschattet Module und wird zur Brandgefahr, Mähtrupps sind teuer und langsam. Also verpachtete er nicht Land, sondern Schafe. Heute umfasst "Texas Solar Sheep" über 8.000 Tiere und 26 Mitarbeiter; allein unter den 900 Megawatt des Milam-County-Parks arbeiten 3.000 Dorper-Schafe auf 1.600 Hektar. Ziegen fielen im Branchentest übrigens durch (klettern auf Module, fressen Kabel), Rinder auch (zu groß, lehnen sich an) – nur Schafe mähen, ohne etwas kaputtzumachen. Landesweit grasen laut Branchenverband inzwischen Herden auf über 52.000 Hektar an rund 500 Solarstandorten in 30 Bundesstaaten. Ein Schäfer nennt es die größte Chance der amerikanischen Schafzucht seit Generationen: Ein junger Rancher, der sich nie 1.600 Hektar leisten könnte, wird heute dafür bezahlt, fremdes Land zu beweiden. Strom oben, Lamm unten – und der Wartungsetat der Energiewende landet im Futtertrog.

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Bis zur nächsten Ausgabe,

Tom Illauer

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