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Dienstag, 15. September 2026

Top 3 News des Tages:

  1. Der Durchbruch, den keiner versteht – MiSpeL kommt am 1. Oktober…

  2. BSW warnt vor solaren Sperrzonen – Solarparks könnten über 1 Cent teurer werden…

  3. Gericht stärkt regionale Betriebe – PV-Montage ist zulassungspflichtiges Handwerk…

🌅 06:40 | 🌇 19:21 Wetter Berlin:

Spätsommer-Bonus – sonnig, bis 24,6 °C, nur 10 % Regenrisiko. Beste Ertragswerte der Woche, ab morgen wird's nass.

🌞 Top Story des Tages

🔓 MiSpeL: Am 1. Oktober fällt das Entweder-oder – nur merkt es kaum jemand

Bisher galt: Fließt auch nur eine Kilowattstunde grauer Netzstrom in einen geförderten PV-Speicher, ist die komplette EEG-Förderung weg. Damit ist ab 1. Oktober Schluss. Die MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur erlaubt erstmals den Mischbetrieb: Speicher dürfen günstigen Netzstrom laden und später teurer einspeisen, ohne Förderung und Umlagevorteile zu verlieren. Zur Wahl stehen zwei Wege – die Abgrenzungsoption (formelbasierte Zuordnung auf Basis viertelstündlicher Messwerte, in der Regel mindestens zwei Zähler) und die Pauschaloption. Der Haken: Bis 30. September 2027 gilt eine Übergangsregelung, in der die neuen Regeln nur greifen, wenn Netz- und Messstellenbetreiber im Einzelfall zustimmen. Aus der Branche kommt deutliche Kritik an der Komplexität – und daran, dass hohe Schwellenwerte bidirektionales Laden für die meisten Haushalte unattraktiv lassen. Die BNetzA erläutert die finale Fassung am 2. Oktober in einem Workshop.

👉 Sunny-Take: Regulatorisch ist das der wichtigste Speicher-Beschluss des Jahres – wer Gewerbespeicher verkauft, sollte den 2.-Oktober-Workshop im Kalender haben und bis dahin klären, welche Option zum eigenen Messkonzept passt.

by Tom Illauer

🏢Firmennews & Strategie

💰 Furo: 4 Mio. $ für Speichersoftware – auch von Sheryl Sandbergs Fonds

Das Münchner Start-up (bis Mai 2026 Lumera Energy, gegründet 2025 von Lena Sophia Voß, Leonie Wagner und Simon Wittner) hat eine Seed-Runde über 4 Mio. $ (rund 3,44 Mio. €) abgeschlossen. Angeführt von TQ Ventures aus New York, beteiligt sind Neo, Sandberg Bernthal Venture Partners und CDTM Venture Capital. Die Software prognostiziert Strompreise und Wetter bis zu 48 Stunden im Voraus, steuert Gewerbespeicher in Echtzeit und vermarktet freie Kapazitäten – laut Unternehmen bis zu 40 % niedrigere Stromkosten. Über 800 Unternehmen nutzen die Plattform an mehr als 6.000 Standorten; vertrieben wird über Installateure, Projektentwickler, Hersteller und Versorger.

👉 Sunny-Take: US-Kapital fließt gerade nicht in deutsche Hardware, sondern in die Software darüber – für Installateure ist eine Optimierungsplattform das Zusatzprodukt, mit dem sich ein Speicherangebot vom Preisvergleich abkoppeln lässt.

♻️ Rebaba: 4 Mio. € für Second-Life-Speicher aus E-Auto-Batterien

Das 2023 von Ex-Northvolt-Leuten in Stockholm gegründete Start-up hat eine überzeichnete Seed-Runde über 44,1 Mio. SEK (knapp 4 Mio. €) abgeschlossen, angeführt von Sistafund und EIT Urban Mobility. Ausrangierte EV-Batterien haben noch 70 bis 80 % ihrer Kapazität; die Stockholmer Produktion "CircularHub" soll auf 40 MWh pro Jahr wachsen, weitere Standorte in Europa sind geplant. Vertriebspartner im DACH-Raum ist das Kölner Start-up Nanuq.

👉 Sunny-Take: Second Life wird vom Nischenthema zur Beschaffungsoption – wenn ausgemusterte EV-Batterien ab 2028 mehr Kapazität liefern als der weltweite Speicherbedarf, verschiebt das die Preisbasis für Gewerbespeicher spürbar.

📈Markt & Trends

🏠 Businessinsider: "Das Ende der Solar-Goldgrube"

Die Zusammenfassung der neuen Regeln für Hausbesitzer: Ab 2027 nur noch maximal drei Jahre Vergütung bei rund 5,2 ct/kWh, ab 2028 nur noch für Anlagen bis 25 kW, 2029 bis 7 kW, ab 2030 gar keine Einspeisevergütung für Neuanlagen – dafür Direktvermarktungspflicht mit 1,5 ct Bonus. Ab 2029 kommt für Prosumer ein zusätzliches Netzentgelt (Schätzung: 70 bis 100 €/Jahr). Bestandsanlagen behalten ihre 20-Jahres-Garantie. Rechenbeispiel: PV ohne Speicher amortisiert sich erst nach über 20 Jahren, mit Speicher (7 kWp/8 kWh für 14.000 €) nach rund 14 Jahren, mit Wärmepumpe oder E-Auto unter zehn.

👉 Sunny-Take: Der Hebel wandert von der Einspeisung zum Eigenverbrauch – und 1Komma5° berichtet schon von Kunden, die nur noch einen Heimspeicher ohne PV wollen; wer das Speichergeschäft nicht aufbaut, verliert das Hauptprodukt der nächsten Jahre.

🔥 Kerpen: PV-Anlage erschwerte Löscharbeiten bei Dachstuhlbrand

Bei einem Feuer an der Friedhofstraße war die Feuerwehr von 15.50 bis 21 Uhr im Einsatz – rund 70 Kräfte plus Unterstützung aus Frechen und Bergheim, zwei Drehleitern. Laut Einsatzleitung erschwerte die Dach-PV die Arbeiten: Zahlreiche Glutnester in Dachhaut und Dämmung mussten einzeln freigelegt werden. Verletzt wurde niemand; die Brandursache ist offen, am Brandtag liefen Dacharbeiten.

👉 Sunny-Take: Solche Meldungen erreichen Kunden schneller als jede Statistik – wer Brandschutz, Freischaltkonzept und saubere DC-Verlegung im Angebot benennt, nimmt dem Thema im Verkaufsgespräch die Spitze.

🇺🇸 US-Start-up verschenkt Solaranlagen – und verkauft den Strom

Resilience Energy bezahlt Installation von PV und Speichern bei Hausbesitzern, behält das Equipment im Eigentum und vermarktet die Leistung als virtuelles Kraftwerk. Die Hausbesitzer zahlen nichts, sparen 60 bis 80 % der Stromrechnung; zu Spitzenzeiten greifen Versorger auf das Netzwerk zu statt auf Gaskraftwerke. Aggregiert werden Bündel von 1.500 bis über 20.000 Häusern, finanziert über PPAs mit Versorgern und Tech-Konzernen. Vorteil laut CEO: Jeder qualifiziert sich, auch niedrige Einkommen und Mietobjekte.

👉 Sunny-Take: Das Modell löst das Kernproblem des Mietmarkts – wenn Direktvermarktung ab 2027 Pflicht wird, könnten ähnliche Konstruktionen auch hierzulande interessant werden; Montagekapazität wird darin zum knappen Gut.

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⚖️Gesetze & 📈Regulierung

🚫 BSW-Solar warnt vor "solaren Sperrzonen"

Der Verband rechnet vor: Ohne Nachbesserungen an EEG-Novelle und Netzpaket steigen die Stromgestehungskosten neuer Solarparks um mehr als einen Cent pro Kilowattstunde – aktuell liegen sie bei rund fünf Cent. Hauptkostentreiber ist der Redispatch-Vorbehalt (Abregelung ohne Entschädigung), dazu Einspeisenetzentgelte, kommunale Abgaben und die CfD-Ausgestaltung. Konsequenz laut BSW: Der Höchstwert bei Ausschreibungen müsste von 5,9 auf 7,5 ct/kWh steigen, um die Ausbauziele zu halten. Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig: Netzprobleme müssten durch schnelleren Netzausbau, Speicher und intelligentere Netznutzung gelöst werden, nicht durch einen Baustopp.

👉 Sunny-Take: Wer Freiflächen in netzengpassgefährdeten Regionen entwickelt, sollte Projekte jetzt auf den Redispatch-Vorbehalt stresstesten – sechs Jahre ohne Entschädigung bei 18 bis 20 % der Jahresstrommenge kippen jede knappe Kalkulation.

⚖️ OLG Koblenz: PV-Montage ist zulassungspflichtiges Handwerk

Das Gericht hat entschieden, dass Planung, Installation, Inbetriebnahme und Wartung von PV-Anlagen grundsätzlich Tätigkeiten zulassungspflichtiger Handwerke sind und die Eintragung in die Handwerksrolle voraussetzen (Az. 9 U 1015/25). Verklagt war ein Anbieter, der Komplettleistungen ohne Eintragung als Dachdecker oder Elektrotechniker anbot. Seit der Leitfaden-Neufassung 2025 gilt auch die Montage ballastierter Systeme ohne Eingriff in die Dachhaut nicht mehr als Minderhandwerk. Bestandsbetriebe sollen laut BSW nicht nachträglich zur Eintragung aufgefordert werden; die 20-Prozent-Regel nach §5 HwO für fachlich verwandte Arbeiten bleibt.

👉 Sunny-Take: Für eingetragene Betriebe ist das ein Wettbewerbsschutz, den man aktiv im Vertrieb nutzen sollte – zusammen mit der neuen Branchenvereinbarung entsteht gerade ein klarer Rahmen dafür, wer legal aufs Dach darf.

🗺️ Südquote für Wind – warum nicht auch für Solarparks?

Ein Gastbeitrag auf ingenieur.de argumentiert: Während für Wind mit WindBG und Referenzertragsmodell ein räumlicher Rahmen existiert, fehlt bei Freiflächen-PV jede Leitidee. Ergebnis: Ballungen im strahlungsreichen Süden und Osten – beim Gebotstermin 1. Juli gingen 429 MW nach Bayern und 266 MW nach Baden-Württemberg, bei 4,79 ct/kWh Durchschnittszuschlag und deutlicher Überzeichnung. Vorschläge: Ertragsausgleich, teilräumliche Ausschreibungen oder regionale Mindestanteile. Die BNetzA konsultiert den Szenariorahmen zum NEP noch bis 28. September.

👉 Sunny-Take: Wenn regionale Steuerung kommt, verschieben sich Projektpipelines Richtung Westen und verbrauchsnahe Standorte – Entwickler mit Flächen in NRW und Hessen sollten diese Debatte sehr genau verfolgen.

🛠️Produkte, Startups & Technik

🌊 Solarzellen erzeugen Strom in zehn Metern Meerestiefe

Forschende der Yunnan University haben Perowskit-Zellen entwickelt, die genau die Wellenlängen absorbieren, die tief ins Wasser vordringen – blaues bis oranges Licht. Auf einem Unterwasserroboter montiert, erzeugte das Modul in zehn Metern Tiefe innerhalb von zwei Stunden 324 Milliwattstunden; im Salzwasser soll es rund 5,5 Jahre liefern. Anwendungen: Tauchroboter, Sensoren, Unterwasserkameras, Kommunikationsbojen.

👉 Sunny-Take: Kein Marktsegment für morgen, aber ein Hinweis darauf, wie weit Perowskit die Anwendungsgrenzen verschiebt – von der Fassade übers Autodach bis unter die Wasseroberfläche.

🛣️ Seoul: 479 Meter Lärmschutztunnel, der Strom produziert

Auf dem Dongbu Expressway wurden 2.736 schalldämmende PV-Module direkt in die Lärmschutzkonstruktion integriert – 5.472 m², 902,8 kW, rund 830.000 kWh im Jahr, genug für etwa 300 Haushalte. Die Module sind nicht nachträglich montiert, sondern Teil des Schallschutzes.

👉 Sunny-Take: Nach den österreichischen PV-Lärmschutzwänden das zweite Signal in zwei Wochen – Lärmschutz ist im deutschen Ausschreibungssegment 2 förderfähig (Höchstwert 10 ct/kWh) und bleibt eine Nische mit viel Fläche und wenig Wettbewerb.

✍️Umfrage der Woche

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💡 Mein Wow Moment des Tages

🔋 100 Atomkraftwerke stehen in deutschen Garagen – angesteckt werden sie nicht

Die Zahlen sind schwindelerregend: 2,6 Millionen Heimspeicher mit 15 Gigawatt Leistung stehen in deutschen Kellern – mehr, als alle deutschen Atomkraftwerke vor dem Ausstieg zusammen hatten. Und bis jetzt machen sie im Wesentlichen eins: den eigenen Solarstrom zwischenspeichern. Am Markt mitverdienen? War schlicht verboten. Am 1. Oktober ändert sich das mit MiSpeL – regulatorisch ein Durchbruch. Nur: Die Regelung ist so komplex geraten, dass in der Branche die meisten passen; IT-Systeme, Abrechnungslogiken und Prozesse müssen erst gebaut werden, realistisch bis Mitte 2027. Beim bidirektionalen Laden ist es noch krasser. Aus Sorge vor "Fremdtankstrom" – wer beim Arbeitgeber lädt und abends zu Hause einspeist – hat die Behörde pauschal hohe Schwellenwerte gesetzt. Für die meisten Haushalte bleibt V2G damit unwirtschaftlich. Dabei liegt genau dort der eigentliche Schatz: Vernetzte man das Speicherpotenzial von 15 Millionen E-Autos im Jahr 2030, entspräche das rechnerisch der Leistung von mehr als 100 Atomkraftwerken – hochflexible Kurzzeitspeicher, die ohnehin schon gekauft und bezahlt sind. MiSpeL geht in die richtige Richtung. Aber wie es ein Branchenvertreter diese Woche formulierte: Jedes Risiko wurde minimiert. Das Potenzial leider auch.

(Zahlen und Einschätzung aus einem viel diskutierten LinkedIn-Beitrag von Benedikt Gierull; MiSpeL-Termine bestätigt durch die Bundesnetzagentur.)

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