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Dienstag, 3. November 2026
Top 3 News des Tages:
Volle Auftragsbücher trotz Insolvenzschlagzeilen, aber die Nachfrage von 2027 ist bereits verbraucht
Solar legt im Oktober um 40,4 Prozent zu, Braunkohle um 23,7 Prozent, und der Erneuerbaren-Anteil fällt von 63,6 auf 61,0 Prozent
Ab Januar braucht jedes Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen jeden zehnten Stellplatz als Ladepunkt
🌅 07:06 | 🌇 16:32
Wetter: Überwiegend trocken, 9°C am Tag, nachts 3°C. Zehn Stunden und 26 Minuten Tageslicht bei dichter Bewölkung. Die Ertragswerte liegen im November-Minimum, Fassadenmodule bringen jetzt anteilig mehr als im Sommer.

🌞 Top Story des Tages

☀️ Solarbranche vor der Krise? Der Tepto-Chef sieht das anders
Während Insolvenzen wie die von EKD aus Leipzig die Schlagzeilen bestimmen, zeichnet Waldemar Peterson ein anderes Bild. Der Geschäftsführer von Tepto Solar berichtet von hoher Nachfrage und vollen Auftragsbüchern bei regionalen Installateuren. Einzelne Betriebe installierten im Umkreis von 100 Kilometern bis zu 20 Anlagen pro Woche. Sein Argument gegen die Krisenstimmung: Insolvenzen spiegeln eine wirtschaftliche Entwicklung, die sechs bis zwölf Monate zurückliegt, nicht die Lage von heute.
Woher die Nachfrage kommt, sagt Peterson selbst. Es ist die Reformdebatte. Viele Eigenheimbesitzer wollen sich die bisherigen EEG-Konditionen sichern und ziehen ihre Investition vor. Einige Installateure geben inzwischen Preisnachlässe, wenn Kunden bereit sind, erst 2027 montieren zu lassen. Während die Schlagzeilen vor einer Krise warnen, überzeugen manche Betriebe ihre Kunden davon, noch zu warten.
Die Zahlen, um die gestritten wird, sind überschaubar. Für eine neue kleine Dachanlage bringt die Teileinspeisung derzeit rund 7,8 Cent, geplant sind teilweise 5,2 Cent Übergangsvergütung. Gegen den Haushaltsstrompreis gerechnet ist der Eigenverbrauch längst der größere Hebel, und zwar um ein Vielfaches. Peterson verweist zusätzlich auf Direktvermarktung, Speicher und Fassadenmodule, die im Winter bei tiefer Sonne und niedrigen Temperaturen Vorteile haben.
👉 Sunny-Take: Peterson hat bei der Diagnose recht und benennt dabei unfreiwillig das eigentliche Risiko. Wer heute vorgezogene Aufträge abarbeitet, verbraucht die Nachfrage des kommenden Jahres. Das Ergebnis ist ein starkes viertes Quartal 2026 und ein ungewöhnlich leeres erstes Halbjahr 2027. Für die Praxis heißt das zweierlei: Personal und Lagerbestand nicht auf die aktuelle Auslastung auslegen, und Rabatte für Montagetermine ab Februar jetzt anbieten, solange du sie noch als Entgegenkommen verkaufen kannst und nicht als Notverkauf.

🏢Firmennews & Strategie
⚡ 1Komma5° und 2G Energy liefern Strom für KI-Rechenzentren
Beide Unternehmen bündeln Gasmotoren, Photovoltaik und Batteriespeicher. Die Heartbeat-AI-Plattform von 1Komma5° soll Erzeugung, Speicher und Netzbezug nach Börsenpreis steuern. 2G hat die Umsatzprognose für 2027 auf 600 bis 650 Millionen Euro angehoben. Die IEA rechnet mit 950 Terawattstunden Rechenzentrumsverbrauch bis 2030.
👉 Sunny-Take: Heartbeat AI war bisher ein Werkzeug für Einfamilienhäuser und springt jetzt in den Megawattbereich. Wer Gewerbespeicher verkauft, konkurriert ab sofort mit einem Anbieter, der die Steuerungssoftware schon hat und sie quer durch alle Leistungsklassen skaliert.
🌬️ Vattenfall baut Solarpark als fünftes Windrad
In Hommerdingen-Biesdorf in der Südeifel teilen sich vier Windanlagen mit 17 Megawatt und ein Solarpark mit 7,6 Megawatt einen einzigen Netzanschluss ins Westnetz-Verteilnetz. Technisch wird der Solarpark wie eine weitere Windkraftanlage behandelt. Es ist Vattenfalls erstes Hybridkraftwerk in Deutschland, Speicher sollen folgen.
👉 Sunny-Take: Genau die Maßnahme, die Agora meint. Ein Anschluss für zwei Erzeugungsarten mit gegenläufigem Profil halbiert die Anschlusskosten pro Megawatt. Für Projektierer mit Flächen neben bestehenden Windparks ist das ab sofort die erste Frage, nicht die letzte.
🚗 Eon und BYD koppeln Autokauf an Stromtarif
Käufer und Leasingnehmer eines BYD erhalten über mindestens 24 Monate zwölf Cent Ladebonus je zu Hause smart geladener Kilowattstunde. Bei 170 Kilowattstunden im Monat sind das rund 20 Euro. Gesteuert wird über die Eon-App nach Abfahrtszeit und Ziel-Ladestand. Bidirektionales Laden ist als nächster Schritt angekündigt.
👉 Sunny-Take: Der Autohändler verkauft jetzt den Stromvertrag mit. Wer Wallbox und Speicher an Neuwagenkäufer verkauft, kommt künftig zu spät, weil die Energieentscheidung schon im Autohaus fällt.

📈Markt & Trends
☀️ Solar plus 40 Prozent, und trotzdem lief mehr Braunkohle
Die Solarstromeinspeisung ist im Oktober um 40,4 Prozent auf 5,1 Milliarden Kilowattstunden gestiegen. Diese Zahl geht gerade durch alle Verteiler. Die Rechnung daneben steht in derselben Auswertung. Solar legte um 1,5 Milliarden Kilowattstunden zu. Wind verlor 2,1, Wasserkraft 0,3. Erneuerbare insgesamt speisten damit 0,9 Milliarden Kilowattstunden weniger ein als im Oktober 2025, ihr Anteil sank von 63,6 auf 61,0 Prozent. Eingesprungen ist die Braunkohle mit einem Plus von 1,3 Milliarden Kilowattstunden. Die gesamte erfasste Einspeisung blieb dabei fast unverändert. Zur Einordnung der 40 Prozent gehört das Wetter. Der Oktober war nach DWD-Angaben der achte Monat in Folge mit überdurchschnittlichem Sonnenschein, 122 Stunden gegenüber 79 im Vorjahresmonat. Wie viel des Zuwachses auf Zubau und wie viel auf Witterung entfällt, lässt sich aus den Daten laut IWR nicht bestimmen.
👉 Sunny-Take: Die belastbare Zahl ist die Jahreszahl. Von Januar bis Oktober liegt die Solareinspeisung bei plus 16,0 Prozent, der Erneuerbaren-Anteil bei 63,4 Prozent. Mit 40 Prozent zu argumentieren, ob gegenüber Kunden, Banken oder Investoren, funktioniert genau so lange, bis ein Oktober wieder durchschnittlich ausfällt. Und solange ein Windausfall direkt in Braunkohle umgebucht wird, ist der eigentliche Engpass nicht die Erzeugung, sondern der Speicher.
🧮 Jeder Dritte hält Atomkraft für die günstigste Stromquelle
In einer Civey-Umfrage unter 5.000 Befragten im Auftrag von Green Planet Energy halten 88 Prozent Unabhängigkeit von Energieimporten für wichtig. Bei der günstigsten Stromquelle liegt Solar mit 36 Prozent nur knapp vor Atomkraft mit 35 Prozent. Das Fraunhofer ISE beziffert Atomstrom auf 13,6 bis 49 Cent, Freiflächen-PV auf 4,1 bis 9,2 Cent.
👉 Sunny-Take: Deine Kunden wollen Unabhängigkeit, aber jeder Dritte hält dein Produkt für teurer als einen Reaktor. Der Vertriebshebel liegt nicht beim Klimaargument, sondern bei den Gestehungskosten im Direktvergleich.

🔥 🤝 Partner der Woche
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⚖️Gesetze & 📈Regulierung
📋 Ab Januar gilt die Ladepunktpflicht, ab 2027 die Bidi-Vorbereitung
Die eMobile Academy hat mit dem Bundesverband Neue Mobilität einen Vorschriftenkompass mit über 60 Regelwerken veröffentlicht. Zwei Fristen stechen heraus: Ab Januar braucht jedes Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen jeden zehnten als Ladepunkt. Ab 2027 müssen neue Ladepunkte bidirektional vorbereitet sein, auch private Wallboxen.
👉 Sunny-Take: Die GEIG-Frist im Januar ist ein Auftragsvolumen, das in Gewerbeimmobilien gerade liegen bleibt. Und wer ab 2027 noch nicht bidi-fähige Wallboxen im Lager hat, sitzt auf Ware, die man nur noch mit Abschlag los wird.

🛠️Produkte, Startups & Technik
📦 Sigenergy packt vier Megawattstunden auf 54 Quadratmeter
Der SigenCube erreicht nach Herstellerangaben über 220 Kilowattstunden je Quadratmeter. Für vier Megawattstunden reichen demnach 54,5 statt über 80 Quadratmeter. Es gibt ihn mit 261 und 401 Kilowattstunden LFP-Kapazität. Sigenergy nennt 60 Dezibel in einem Meter Abstand und bezeichnet ihn als leisesten am Markt. DACH-Rollout ab 2027.
👉 Sunny-Take: Die Flächenangabe ist das eigentliche Verkaufsargument, nicht die Kapazität. In innerstädtischen Gewerbeobjekten scheitern Speicherprojekte an Quadratmetern, nicht an Kilowattstunden. Den Lautstärkeanspruch solltest du vor Ort messen lassen, bevor du ihn im Wohngebiet zusagst.
🔌 Spotmyenergy zahlt zehn Cent Bonus für steuerbare Speicher
Der Kölner Anbieter startet den Tarif SmartFix mit festem Arbeitspreis plus Bonus. Sechs Cent je Kilowattstunde für die steuerbare Wärmepumpe, zehn Cent für steuerbares Laden von E-Auto oder Batteriespeicher. Voraussetzung ist ein Smart Meter, ein zweiter Zähler entfällt. Anmeldung ab 1. Dezember, Start Anfang 2027.
👉 Sunny-Take: Zehn Cent je Kilowattstunde für einen steuerbaren Speicher ist eine Zahl, mit der sich eine Amortisationsrechnung neu aufstellen lässt. Entscheidend wird, welche Speicher die Steuerung technisch zulassen. Das ist ab sofort ein Auswahlkriterium im Angebot, nicht eine Fußnote.
🚛 E-Lkw speist mit 350 Kilowatt ins Netz zurück
Das Forschungsprojekt SPIRIT-E unter Führung der TU München ist nach drei Jahren abgeschlossen. Bei der Spedition Schmid in Regensburg speiste ein MAN eTGX mit 480 Kilowattstunden über eine bidirektionale Ladestation ins Betriebsgelände und ins öffentliche Netz zurück. Grundlage ist der Standard ISO 15118-20, herstellerübergreifend steuerbar.
👉 Sunny-Take: Eine Lkw-Batterie hat die Kapazität von acht Heimspeichern und steht nachts auf dem Hof. Speditionen mit Dachanlage werden damit zu Flexibilitätsanbietern, und das Depot wird zum Projektgeschäft für Ladeinfrastruktur plus PV plus Speicher.

✍️Umfrage der Woche
Tepto Solar sagt, Installateure geben bereits Preisnachlässe, wenn Kunden die Montage auf 2027 verschieben. Machst du das auch?
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💡 Mein Wow Moment des Tages

♻️ Der Akku, der zweimal lebt!
Jedes Jahr landen in Deutschland rund eine Million Akkus aus E-Bikes und E-Scootern im Müll. Nicht weil sie kaputt sind. Sondern weil niemand etwas mit ihnen anzufangen weiß.
Drei ehemalige Leistungselektroniker des Fraunhofer ISE haben sich das angesehen und festgestellt: Diese Zellen haben im Schnitt noch über 90 Prozent ihrer Kapazität. Kalkuliert hatten sie mit 80. Das Problem war nie die Chemie, sondern die Vielfalt. Jeder Hersteller baut eine andere Steckverbindung, ein anderes Batteriemanagement, ein anderes Kommunikationsprotokoll. Standardisierung unmöglich.
Also haben sie das Problem umgedreht. Statt die Akkus zu zerlegen und zu vereinheitlichen, bauten sie eine Leistungselektronik, der die Unterschiede egal sind. 112 ausgediente E-Scooter-Akkus, zusammengeschaltet zu einem Industriespeicher mit 70 Kilowattstunden. Ausgeliefert Mitte Oktober an einen mittelständischen Betrieb mit Solaranlage und ohne Speicher.
Der schönste Teil kommt zum Schluss. Weil die Module einzeln tauschbar sind, und zwar im laufenden Betrieb, hat dieser Speicher nach zehn Jahren noch exakt 70 Kilowattstunden. Ein Neugerät vom Markenhersteller garantiert dann 80 Prozent. Der vermeintliche Schrott altert besser als die Neuware.

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