Wurde dir die E-Mail weitergeleitet? Jetzt hier abonnieren

Freitag, 11. September 2026

Top 3 News des Tages:

  1. EEG-Novelle im Bundestag – erste Lesung ab 21. September, Beschluss bis Ende Oktober…

  2. Enerparc-Schwester Pvwerk in Eigenverwaltung – 100 Projekte im Bau auf dem Prüfstand…

  3. Metallbauer, Zimmerer und SHK dürfen künftig mit aufs PV-Dach…

🌅 06:34 | 🌇 19:30 Wetter Berlin:

Freundlich, bis 20 °C, nur 10 % Regenrisiko – gute Ertragswerte zum Wochenausklang.

🌞 Top Story des Tages

🏛️ EEG-Novelle im Bundestag: Erste Lesung ab 21. September, Verabschiedung bis Ende Oktober

Der Gesetzentwurf ist offiziell als Drucksache 21/7867 im Parlament. Was drinsteht: perspektivische Abschaffung der festen Einspeisevergütung für Neuanlagen, verpflichtende Direktvermarktung auch für kleine PV, Differenzverträge mit Abschöpfungsmechanismus für Zusatzerlöse – und Ausschreibungsmengen, die stärker auf Freiflächen konzentriert werden. Obendrauf kommt das Netzpaket: Netzbetreiber dürfen Anschlussvorhaben nach Planungsreife und Netzdienlichkeit priorisieren, und der "Redispatch-Vorbehalt" erlaubt Neubau in überlasteten Netzgebieten – aber für bis zu sechs Jahre ohne Entschädigung bei Abregelung von 18 bis 20 % der Jahresstrommenge. Der Zeitdruck ist real: Die beihilferechtliche EU-Genehmigung für wesentliche EEG-Vorschriften läuft zum Jahresende aus, deshalb soll der Bundestag bis Ende Oktober beschließen, danach muss noch der Bundesrat zustimmen.

👉 Sunny-Take: Sechs Wochen von der ersten Lesung bis zum Beschluss – wer als Betrieb oder Verband noch Einfluss nehmen will, hat jetzt das Zeitfenster; wer Anlagen verkauft, sollte Kunden ehrlich sagen, dass 2026 gebaute Anlagen unter den heutigen, verlässlicheren Konditionen laufen.

by Tom Illauer

🏢Firmennews & Strategie

🔧 Enerparc-Folgen: Schwestergesellschaft Pvwerk in Eigenverwaltung – 100 Projekte im Bau

Die Pvwerk GmbH, die im Auftrag von Enerparc Freiflächenanlagen und zuletzt Batteriespeicher errichtet, ist am 7. September in die vorläufige Eigenverwaltung gegangen. Seit 2011 hat das Unternehmen über 500 Solarparks mit mehr als 5,5 GW gebaut; rund 60 Mitarbeiter, Gehälter drei Monate über Insolvenzgeld gesichert. Aktuell sind rund 100 von Enerparc beauftragte Solarpark- und Speicherprojekte in der Bauphase – die Verantwortlichen priorisieren jetzt in Abstimmung mit Enerparc-Verwalter Denkhaus, welche davon fertiggestellt werden können. Ein Investorenprozess ist geplant.

👉 Sunny-Take: Für Zulieferer, Subunternehmer und Netzbetreiber ist die entscheidende Frage nicht die Insolvenz selbst, sondern die Priorisierungsliste – wer an einem der 100 Projekte hängt, sollte diese Woche den Kontakt zur Bauleitung suchen, nicht in vier Wochen.

🌾 Sonntag Energy übernimmt Agri-PV-Sparte der insolventen Gridparity

Das Lindauer Unternehmen kauft aus der Insolvenzmasse den Agri-PV-Geschäftsbereich inklusive Marke "Agri-PV", der Domains agripv.de und agri-pv.de sowie des kompletten Webauftritts; Kaufpreis unbekannt. Gridparity (Dachau, gegründet 2012) galt als Pionier semitransparenter Doppelnutzungs-Module und stellte im November 2025 Insolvenzantrag. Sonntag Energy will bestehende Projekte fortführen und setzt einen eigenen Schwerpunkt: Agri-PV kombiniert mit Batteriespeichern und Energiehandel. Mitgründer Mark Kugel: "Wir haben uns nicht in die EEG-Hängematte gelegt."

👉 Sunny-Take: Die Botschaft hinter dem Deal ist wichtiger als der Deal – Agri-PV rechnet sich beim aktuellen Marktwert Solar nur noch mit Speicher und eigener Vermarktung; wer beides nicht anbietet, verkauft ein Auslaufmodell.

🚗 ADAC nimmt Balkonkraftwerke ins Sortiment

Der Club erweitert sein Solarangebot um Steckersolargeräte von Kleines Kraftwerk (Achim, Niedersachsen): vom 1.000-Watt-Einsteigerset ab 314 € bis zum 2.000-Watt-System mit 5-kWh-Anker-Solix-Speicher für 1.709 € (jeweils ohne Halterung). Beratung und Support laufen über mehr als 100 Mitarbeitende in Niedersachsen, die Halterungen werden in Deutschland gefertigt und sind statisch geprüft.

👉 Sunny-Take: Nach Baumärkten und Discountern steigt jetzt der größte Verbraucherclub Europas ein – Balkonkraftwerke sind endgültig Konsumgut, und der Wettbewerb um den Erstkontakt zum künftigen Dachanlagen-Kunden verschärft sich weiter.

📈Markt & Trends

🔌 "Installateure werden zum Engpass": Smart-Meter-Rollout skaliert

EMH-Metering-Chef Peter Heuell zieht Bilanz: Die gesetzliche 20-Prozent-Quote bei Pflichteinbaufällen wurde Ende 2025 mit 23,3 % übertroffen – über alle Messstellen sind es aber erst 5,5 %. Treiber sind §14a-Verbraucher (Wärmepumpen, Wallboxen, Speicher) und §9-EEG-Anlagen. Sein Warnsignal: Bei der Lieferfähigkeit sieht er keine Probleme, wohl aber bei der Montage – fehlende Installateure könnten den Rollout ausbremsen. Für PV-Betreiber praktisch relevant: Die 60-Prozent-Begrenzung für Neuanlagen entfällt, sobald ein intelligentes Messsystem mit zertifizierter Steuerung installiert und der Fernsteuerungstest bestanden ist.

👉 Sunny-Take: Zählermontage wird zum Flaschenhals einer ganzen Branche – für Elektrobetriebe ist das ein planbares, wiederkehrendes Zusatzgeschäft, das man sich jetzt über Rahmenverträge mit Messstellenbetreibern sichern kann.

⚙️ Flexibilitätswende: Über die Rendite entscheidet die Software

Ein Gastbeitrag von EBX Technologies zeigt das Missverhältnis: 117 GW PV und 68 GW Wind an Land treffen auf nur etwa 5 GW Großspeicher und 15 GW Heimspeicher – bei fast 300 Stunden mit negativen Preisen allein im ersten Halbjahr 2026. Systemdienstleistungen tragen 2026 noch rund 55 % der Erlöse deutscher Batteriespeicher (Modo Energy). Der oft übersehene Faktor: Bei rund 19 % der untersuchten Speicherprojekte schmälerten technische Störungen und ungeplante Ausfälle die Erlöse (ACCURE) – und wer im bezuschlagten Regelleistungsfenster ausfällt, riskiert Pönalen bis zum Verlust der Präqualifikation.

👉 Sunny-Take: Bei Speicherprojekten entscheidet die Anbindungs- und Monitoring-Qualität über Millionenbeträge – Verfügbarkeitszusagen und Fehlerbehebungszeiten gehören genauso in die Due Diligence wie der Modulpreis.

📉 Insolvenzwelle: Politikversagen oder Marktbereinigung?

Die Häufung von Firmenpleiten im Erneuerbaren-Bereich – schwerpunktmäßig im Solarmarkt – wirft die Grundsatzfrage auf. Der Asset Manager aream sieht die Ursachen nicht nur in den politischen Rahmenbedingungen, sondern auch in einzelnen Geschäftsmodellen.

👉 Sunny-Take: Beides stimmt: Wer auf Wachstum ohne Marge und auf Einspeisevergütung ohne Vermarktungsstrategie gesetzt hat, wird von der Politik nicht gerettet – die Debatte lenkt aber nicht davon ab, dass unsichere Rahmenbedingungen Investitionen zusätzlich verteuern.

🇨🇭 Schweiz: Größter Batteriespeicher des Landes am Netz

In Gurtnellen (Kanton Uri) haben Axpo und Energie Uri zwei benachbarte Speicher eingeweiht: 50 MW mit nationalem Fokus plus 8,4 MW für den Kantonsbedarf, ausgelegt als Zwei-Stunden-Speicher, Systeme von Fluence. Der Standort bietet direkten Anschluss ans Swissgrid-Netz neben dem Wasserkraftwerk Arniberg – laut Energie Uri "unsere grosse Steckdose".

👉 Sunny-Take: Auch in der Schweiz entscheidet der Netzverknüpfungspunkt über den Standort, nicht die Fläche – Speicher gehören dorthin, wo bereits Kupfer liegt.

🔥 Deal der Woche (Partneranzeige)

Aktuelle Preisliste: Modul-, Speicher- und Wechselrichterpreise auf einen Blick 📋
Keine Anfrage nötig – einfach klicken und die aktuellen Konditionen direkt einsehen.

Du willst auch vor tausenden Solar-Entscheidern stehen? Unsere Werbepartner haben über Sunny.de bereits Großprojekte und Container-Deals abgeschlossen. Anfragen an: [email protected]

⚖️Gesetze & 📈Regulierung

🪜 Neue Branchenvereinbarung: Metallbauer, Zimmerer und SHK dürfen ans Dach

Zum 1. September wurde die gewerkeübergreifende PV-Vereinbarung neu gefasst – neu dabei sind Holzbau Deutschland, der Bundesverband Metall und die BG Holz und Metall; der ZVSHK bringt zusätzlich das Installateur- und Heizungsbauerhandwerk ein. Kern: definierte Anforderungen ans sichere Arbeiten auf Dächern, eine Musteranweisung für Gerüste und die EuP-Schulung (elektrotechnisch unterwiesene Person), mit der Fachkräfte aus nicht-elektrotechnischen Gewerken etwa Module anschließen dürfen – unter Leitung einer Elektrofachkraft. AC-seitige Arbeiten bleiben Elektrofachkräften vorbehalten. Hintergrund laut BG ETEM: Schwere Verletzungen bei der PV-Montage sind fast immer Absturzunfälle.

👉 Sunny-Take: Der Fachkräftemangel wird über Qualifikation statt über Zuständigkeitsstreit gelöst – wer EuP-Schulungen jetzt ins Team holt, erweitert legal seine Montagekapazität und hat gleichzeitig die Haftungsfrage sauber geregelt.

🇪🇺 EU-Rechnungshof rügt: 300 Milliarden kaum abgerufen

Die für die Unabhängigkeit von russischer Energie bereitgestellten Mittel wurden von den Mitgliedstaaten nur in geringem Umfang genutzt – der Rechnungshof moniert eine stockende Energiewende in der EU.

👉 Sunny-Take: Fördergeld, das nicht abgerufen wird, hilft niemandem – für Projektentwickler lohnt der Blick auf EU-Töpfe, die national kaum ausgeschöpft werden, gerade wenn deutsche Programme gekürzt werden.

🛠️Produkte, Startups & Technik

🔋 Fraunhofer ISE: 15 % mehr Energiedichte durch dickere Elektroden

Statt der üblichen 100 bis 200 Mikrometer beschichtet das Institut Elektroden bis zu 800 Mikrometer dick – dadurch braucht die Zelle weniger Stromableiter, und mehr Platz bleibt für aktives Material: 10 bis 15 % mehr Energie bei gleichem Gewicht. Validiert an industrienahen Pouch-Zellen, übertragen auch auf Zink-Ionen- und Natrium-Ionen-Chemien. Die Zellen sind PFAS-frei und kommen ohne giftige Lösungsmittel aus; die einfachere Fertigungslinie könnte laut ISE gerade Mittelständlern den Einstieg in die Zellproduktion ermöglichen.

👉 Sunny-Take: Eine Fertigung mit geringerer Prozesskomplexität ist realistischer für europäische Standorte als der Wettlauf mit chinesischen Gigafactories – besonders für stationäre Speicher, wo Gewicht kaum zählt.

🏢 SFV: Neue Materialien für PV im Mehrfamilienhaus

Der Solarenergie-Förderverein hat mit Unterstützung der ACK-Stiftung einen eigenen Beratungsbereich für Mehrfamilienhäuser aufgebaut: Erklärvideo zu Betriebskonzepten, Leitfaden mit Prozessschritten für WEGs inklusive Beschlussvorlagen, Handbuch sowie Musterblätter und -verträge. Potenzial: 3,5 Millionen Mehrfamilienhäuser in Deutschland.

👉 Sunny-Take: Am Mehrfamilienhaus scheitern Projekte selten an der Technik, sondern an WEG-Beschlüssen und Betriebskonzepten – wer diese Vorlagen ins Angebotsgespräch mitbringt, verkürzt Entscheidungszyklen um Monate.

✍️Umfrage der Woche

😀 Gefällt dir unser Newsletter?

Teile den Newsletter mit deinem Team und gewinne ein Frühstück!

😞 Dir gefällt unser Newsletter nicht?

Melde Dich mit einem Klick ab und du hörst nie wieder von uns!

💡 Mein Wow Moment des Tages

🇺🇦 Von 50 auf 10 Gigawatt: Warum in der Ukraine ein Speicher gekauft wird, damit das Licht anbleibt

Felix Bräuer, CEO von PMT, war im August mit einer deutschen Green-Tech-Delegation in Kyjiw und Lwiw – sechs Luftalarme am ersten Tag. Was ihm blieb, ist eine Zahl von Energieminister Denys Schmyhal: Vor dem Angriffskrieg hatte das Land über 50 Gigawatt Erzeugungsleistung, im vergangenen Winter waren zeitweise nur noch knapp 10 Gigawatt verfügbar. Auf den Straßen stehen Notstromaggregate vor Geschäften, Wohnhäusern, Restaurants – Gesprächspartner beschrieben den Dauerlärm und den Gestank als psychisch fast zermürbender als die Luftalarme. Und trotzdem wartet niemand auf das Kriegsende: Die Ukraine plant bereits den Wiederaufbau, aber ausdrücklich nicht als Kopie des alten Systems. PV trägt dort heute schon knapp zehn Prozent zur Stromerzeugung bei, und 2025 installierte das Land rund 2,9 Gigawattstunden Batteriespeicher – fast fünfmal so viel wie im Vorjahr und Platz vier in Europa hinter Deutschland, Großbritannien und Italien. Über 60 Prozent davon dezentral: Haushalte, Schulen, Krankenhäuser, Wasserbetriebe. Bräuers Punkt trifft auch uns: In Europa kauft man einen Speicher, um den Eigenverbrauch zu optimieren. In der Ukraine kauft man ihn, damit das Licht anbleibt. Dezentrale Erzeugung ist dort nicht Klimaschutz, sondern Sicherheitsarchitektur – ein Argument, das in der deutschen Debatte über Kilowattstundenpreise fast völlig fehlt.

Dein Feedback?

Wie hat Dir der Newsletter heute gefallen?

Unser Team freut sich immer über das Feedback unserer Leserinnen und Leser

Login or Subscribe to participate