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Freitag, 2. Oktober 2026
Top 3 News des Tages:
EKD soll Insolvenz angemeldet haben – 340 Mitarbeiter, zehntausende Kunden…
Das Ende der Einspeisevergütung, durchgerechnet – was kleinen Anlagen ab 2027 bleibt…
Seit einem Jahr kein Geld für den Solarstrom – ein Netzbetreiber erklärt, warum…
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🌞 Top Story des Tages

Vom Zwei-Milliarden-Kandidaten zum Insolvenzantrag: Was bei EKD passiert ist
Energiekonzepte Deutschland (EKD) mit Standorten in Leipzig und Taucha soll am Donnerstag Insolvenz angemeldet haben. Das berichtet das Portal Taucha kompakt, auf das sich inzwischen auch Photon und weitere Fachmedien beziehen. Betroffen wären rund 340 Mitarbeiter. Eine offizielle Bestätigung des Unternehmens liegt bislang nicht vor.
Der Auslöser soll der Rückzug einer Finanzierungszusage sein. Der Investor Pemberton hatte EKD nach diesen Angaben zuletzt mit rund fünf Millionen Euro monatlich gestützt und Ende September mitgeteilt, diese Finanzierung einzustellen. Das Septembergehalt soll bereits ausgeblieben sein.
Der Fall ist deshalb so bemerkenswert, weil EKD lange als Vorzeigeunternehmen galt. 2018 gegründet, nach eigenen Angaben 35.000 bis 45.000 installierte Anlagen. 2023 berichtete das Handelsblatt über Verkaufsvorbereitungen und eine mögliche Bewertung von mehr als zwei Milliarden Euro. 2024 wurde die Übernahme durch Pemberton-Fonds vereinbart, im März 2025 abgeschlossen – erklärtes Ziel: finanzielle Stabilisierung.
Noch im Dezember 2025 veröffentlichte EKD auf der eigenen Website einen Beitrag mit der Überschrift "Faktencheck: Pleite-Berichte zu Energiekonzepte Deutschland". Darin hieß es, ein Insolvenzverfahren liege nicht vor und das Unternehmen sei nach Umwandlung von Verbindlichkeiten in Eigenkapital nahezu schuldenfrei.
👉 Sunny-Take: Rechne damit, dass EKD-Kunden mit halbfertigen Anlagen bei dir anrufen. Wer solche Projekte übernimmt, sollte vorher den Bautenstand dokumentieren und klären, was bereits bezahlt wurde – sonst erbst du fremde Gewährleistung.

🏢Firmennews & Strategie
🤝 WeShareEnergy und Centroplan gründen gemeinsame Gesellschaft
Die beiden Unternehmen haben die Centroplan Energy GmbH gegründet. WeShareEnergy bringt Energy Sharing, Direktvermarktung und Ökostrombelieferung ein, Centroplan die Planung und Umsetzung großer PV- und Speicherprojekte. Erste gemeinsame Projekte für Logistik- und Einzelhandelsunternehmen sind bereits umgesetzt. Geschäftsführer wird Florian Thelen.
👉 Sunny-Take: Bauen allein reicht nicht mehr, Vermarkten allein auch nicht. Wer beides anbietet, kann Gewerbekunden eine Rechnung vorlegen, die ohne Einspeisevergütung aufgeht.
💶 Reverion sammelt 154 Millionen Euro ein – für eine Fabrik mit 800 Jobs
Das bayerische Energie-Startup Reverion hat in einer Series B 175 Millionen Dollar eingesammelt, rund 154 Millionen Euro. Angeführt wurde die Runde vom DeepTech- und Klimafonds Kembara, beteiligt sind unter anderem Allianz, KfW Capital, aurum Impact und Carbon Equity.
Das Geld fließt in eine neue Fabrik mit rund 800 Arbeitsplätzen. Gesucht wird ein Standort mit etwa 100.000 Quadratmetern Fläche, Fachkräften sowie Strom- und Gasanschluss. Deutschland steht im Fokus, eine Produktion außerhalb Europas ist nicht geplant.
Reverion stammt aus der Forschung der TU München und baut reversible Kraftwerke: Sie wandeln Gas mit einem Wirkungsgrad von bis zu 74,2 Prozent in Strom um – und können umgekehrt überschüssigen Strom wieder in Gas speichern. Bisher wurde im kleineren Maßstab in Eresing gefertigt.
👉 Sunny-Take: Eine Anlage, die beide Richtungen kann, löst genau das Problem, an dem Solarstrom im Winter hängt. Ob daraus ein Produkt wird, entscheidet sich aber erst in der Serienfertigung.
🏅 SolarPower Europe: Qualität wird zum Wirtschaftsfaktor
Der europäische Verband sieht den Markt in einer Umbruchphase. In der ersten Ausbauphase zählte fast nur der Preis, heute die Frage: Was bringt eine Anlage über ihre gesamte Lebensdauer?
Wojtek Swietochowski von ABO Energy bringt es auf eine Formel: Die günstigste Lösung von heute kann die teuerste von morgen werden. Schlechte Qualitätsentscheidungen senken die Anfangsinvestition, zeigen ihre Folgen aber erst Jahre später – ausgefallene Bauteile, komplizierte Garantiefälle, sinkende Erträge, spät erkannte Fehler.
Umgekehrt beeinflusst Qualität direkt, wie leicht sich eine Anlage finanzieren und versichern lässt.
👉 Sunny-Take: Das ist der Satz für dein nächstes Angebotsgespräch, wenn der Kunde nur auf den Preis schaut. Und es ist das Gegenargument zur Billigkonkurrenz, das Banken und Versicherer inzwischen mittragen.

📈Markt & Trends
💸 Seit über einem Jahr kein Geld für den eingespeisten Strom
Eine Rentnerin aus Nordschwaben betreibt seit elf Jahren eine Anlage auf ihrem Dach. Jahrelang lief alles. Dann, Anfang 2025, blieb der monatliche Abschlag plötzlich aus. Es ging um mehr als 2000 Euro. Kein Einzelfall: Ein Anwalt in Donauwörth kennt mehrere ähnliche Fälle.
Der Netzbetreiber LEW Verteilnetz nennt die Gründe offen. Geschäftsführer Norbert Wiedemann: Früher kamen jährlich rund 2000 neue Erzeugungsanlagen dazu, heute sind es 25.000. Insgesamt hängen 160.000 PV-Anlagen am Netz. Dazu kommt eine IT-Umstellung, bei der Stammdaten und Abschlagspläne teilweise fehlerhaft ins neue System übertragen wurden.
Ein weiteres Problem: Intelligente Messsysteme stehen oft im Keller. Ist dort der Mobilfunkempfang gestört, kommen die Messwerte nicht an – und die Abrechnung verzögert sich.
👉 Sunny-Take: Rechne damit, dass Kunden dich anrufen, wenn das Geld ausbleibt – nicht den Netzbetreiber. Ein Hinweis bei der Übergabe, wo sie sich melden müssen, spart dir später Stunden am Telefon.
💲 US-Zölle: Modulpreise springen um 41 Prozent
Die neuen US-Zölle nach Section 232 greifen ab dem 4. Dezember: 15 Prozent Zusatzzoll auf bestimmte Polysilizium-Produkte plus Mindestimportpreise. Die Wirkung ist schon messbar. Laut der Beschaffungsplattform Anza haben 55 Prozent der Zulieferer ihre Angebote angepasst. Für Lieferungen nach dem Stichtag liegt der mittlere Preis für importierte Module bei 0,38 US-Dollar pro Watt – vor der Ankündigung waren es 0,27 Dollar.
👉 Sunny-Take: Teure US-Module lenken chinesische Ware nach Europa. Für den Einkauf hier ist das gut, für jeden europäischen Hersteller ein weiteres Problem.
🔌 1,5 Millionen Balkonkraftwerke gemeldet
Bis Ende August 2026 waren 1.500.172 steckerfertige Solaranlagen im Marktstammdatenregister erfasst. Allein in den ersten acht Monaten kamen rund 295.000 dazu. Kleine Dachanlagen bis 25 Kilowatt machen laut Fraunhofer ISE inzwischen fast ein Drittel der gesamten installierten Leistung aus.
Bei Mieterstrom sieht es anders aus: Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert das Potenzial auf bis zu 20 Millionen Haushalte – tatsächlich existieren rund 5.400 Anlagen.
👉 Sunny-Take: 20 Millionen Haushalte Potenzial, 5.400 umgesetzte Anlagen. Der Engpass sind nicht die Mieter, sondern Prozesse und Abrechnung – wer die beherrscht, hat einen riesigen unbearbeiteten Markt.

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⚖️Gesetze & 📈Regulierung
📉 Was bleibt kleinen Anlagen ab 2027? Die Rechtsexperten haben nachgerechnet
Die Stiftung Umweltenergierecht hat den Regierungsentwurf für das EEG 2027 analysiert. Ihr Fazit in einem Wort: Paradigmenwechsel.
Der Kern: Für neue Anlagen bis einschließlich 100 Kilowatt soll die klassische Einspeisevergütung entfallen – also die garantierte Zahlung über 20 Jahre. Gleichzeitig soll die geförderte Direktvermarktung über die Marktprämie erst ab 25 Kilowatt möglich sein.
Für alles darunter heißt das: keine dauerhafte Förderung mehr. Bleiben nur Eigenverbrauch, Direktvermarktung ohne Förderung oder die unentgeltliche Abnahme. Betroffen wären vor allem Anlagen auf Ein- und Mehrfamilienhäusern und kleineren Gewerbegebäuden, dazu kleine Wasserkraft- und Güllekleinanlagen.
Es gibt Übergangszahlungen, aber mit sinkender Grenze: Anlagen unter 50 kW bei Inbetriebnahme bis Ende 2027, unter 25 kW bis Ende 2028, unter 7 kW bis Ende 2030.
Den entscheidenden Haken nennt Co-Autorin Anna Seußler Becerra. Für Anlagen unter 25 kW ist ein befristeter Bonus für die Direktvermarktung vorgesehen. Der setzt aber voraus, dass sich der Strom überhaupt vermarkten lässt – und für so kleine Strommengen gebe es bislang keine etablierten Geschäftsmodelle.
Wichtig für den Bestand: Anlagen, die vor dem 1. Januar 2027 in Betrieb gehen, behalten ihre Konditionen.
👉 Sunny-Take: Jede Anlage unter 25 kW, die noch 2026 ans Netz geht, sichert sich 20 Jahre Planbarkeit. Das ist das stärkste Verkaufsargument, das du dieses Quartal hast – und es hat ein Ablaufdatum.
🔌 Bürgerenergie: "Beim Netzanschluss wird Mangel verwaltet statt beseitigt"
Das Bündnis Bürgerenergie kritisiert vor allem einen Punkt im Netzpaket: In Engpassgebieten soll der gesetzliche Anspruch auf Netzanschluss eingeschränkt werden. An seine Stelle träte ein Vertrag mit dem Netzbetreiber, in dem Betreiber teilweise auf Entschädigung bei Abregelung verzichten.
Harald Uphoff vom BBEn bringt das Problem auf den Punkt: Aus einem gesetzlichen Anspruch gegenüber einem Monopol dürfe keine Einzelverhandlung mit demselben Monopol werden. Bürgerenergieprojekte seien an ihre Gemeinde gebunden, könnten also nicht ins nächste Netzgebiet ausweichen – und hätten nicht die Verhandlungsmacht großer Projektierer.
Der Verband warnt außerdem davor, EEG-Novelle, Netzpaket und die neue Netzentgeltsystematik getrennt zu bewerten. Einzeln wirke manches verkraftbar, in der Summe könne es eigenkapitalschwache Projekte aus dem Markt drängen.
👉 Sunny-Take: Kleine Projektierer verlieren hier doppelt: schwächere Verhandlungsposition und weniger Planungssicherheit. Wer mit Genossenschaften arbeitet, sollte das Thema jetzt ansprechen.
🛣️ Widerstand gegen Solarparks an Autobahnen und Bahnstrecken
In Feilitzsch regt sich Protest: Entlang von Autobahnen und mehrgleisigen Bahnstrecken dürfen Solarparks gebaut werden, ohne dass Kommunen etwas dagegen unternehmen können. Es reicht das Einverständnis der Eigentümer von Flächen in einem 200 Meter breiten Streifen entlang der Verkehrswege.
👉 Sunny-Take: Die Privilegierung beschleunigt Projekte, erzeugt aber lokalen Gegenwind. Wer solche Flächen entwickelt, sollte die Gemeinde früh einbinden – auch wenn er rechtlich nicht muss.

🛠️Produkte, Startups & Technik
🧪 Australien: 18-Millionen-Test für Perowskit-Module im Freien
Auf einem 25 mal 25 Meter großen Feld der UNSW Sydney werden bis zu 160 Module der nächsten Generation montiert und fünf Jahre lang dem australischen Wetter ausgesetzt – wechselnde Temperaturen, UV-Strahlung, Regen, salzige Luft, Stürme. Getestet werden kommerzielle Perowskit- und Perowskit-Silizium-Tandemmodule.
Projektleiterin Jessica Yajie Jiang rechnet damit, dass einzelne Module schon nach Monaten durchfallen. Genau das sei der Punkt: Man müsse sie draußen testen, um zu sehen, wie sie sich wirklich verhalten.
👉 Sunny-Take: Tandemmodule brauchen keine Laborrekorde mehr, sondern Langzeitdaten. Solange die fehlen, bleibt Silizium die sichere Wahl für alles, was 20 Jahre halten soll.
🕊️ Vogelkot kostet Ertrag – Pins sollen helfen
Bleibt Vogelkot längere Zeit auf den Modulen, verschattet er Teile der Oberfläche und mindert die Stromproduktion. Die RoofTech GmbH aus Schönaich bei Stuttgart setzt dagegen Edelstahlpins an den Modulrändern, damit Vögel sich dort gar nicht erst niederlassen.
👉 Sunny-Take: Nach dem Taubenschutz unter den Modulen jetzt der Schutz obendrauf – beides Kleinigkeiten im Angebot, die dir später Reklamationen und Reinigungseinsätze ersparen.
🚚 Solardach für Lkw und Busse
Auf den Dächern elektrischer Nutzfahrzeuge tut sich etwas: Die Prüforganisation Dekra hat in Dänemark ihre Flotte mit Photovoltaik ausgestattet, auf Mallorca fahren Linienbusse mit Solardach. Auch in der Slowakei und Tschechien sind laut dem Ingenieur Robert Händel bereits viele Module auf Lkw-Aufliegern und Bussen installiert. Der Effekt: längere Fahrzeiten, weniger Ladestopps.
👉 Sunny-Take: Lkw-Dächer sind riesige, bisher ungenutzte Flächen mit einem klaren Geschäftsmodell dahinter – weniger Ladestopps heißt mehr Umsatz pro Fahrzeug. Ein Markt, der im deutschen Fachhandel noch kaum bedient wird.

✍️Umfrage der Woche
Wie reagierst du im Vertrieb auf das geplante Aus der Einspeisevergütung?


💡 Mein Wow Moment des Tages

🏠 Vermonts größtes Kraftwerk steht in Wohnzimmern
Wenn man fragt, welches Kraftwerk in Vermont am meisten Leistung bereitstellt, erwartet man die Antwort: ein Wasserkraftwerk, ein Gaskraftwerk, vielleicht ein Windpark. Die richtige Antwort ist: tausende ganz normale Häuser.
Vermonts virtuelles Kraftwerk ist inzwischen die größte Stromquelle des US-Bundesstaats. Es besteht aus Heimspeichern, die über den ganzen Staat verteilt in Kellern und Garagen stehen. Einzeln betrachtet sind das unscheinbare Batterien, die den Hausbesitzern bei Stromausfällen helfen und ihre Rechnung senken. Zusammengeschaltet und zentral gesteuert ergeben sie ein Kraftwerk, das der Versorger genau dann abruft, wenn das Netz unter Druck steht.
Der Reiz des Modells liegt darin, dass niemand dafür etwas Neues bauen musste. Die Batterien wurden ohnehin gekauft – für Versorgungssicherheit und günstigeren Strom. Das Kraftwerk entstand allein dadurch, dass man sie miteinander verbunden hat.
Für uns ist das mehr als eine Kuriosität aus Neuengland. Deutschland hat 2,6 Millionen Heimspeicher mit rund 15 Gigawatt Leistung – mehr, als alle deutschen Atomkraftwerke vor dem Ausstieg hatten. Nur dürfen sie bisher kaum am Markt mitspielen. Seit gestern ist der Mischbetrieb erlaubt, aber die Regeln sind so komplex, dass die Umsetzung Jahre dauern dürfte.
Vermont zeigt, was möglich wäre, wenn man es einfach macht.

